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Eines Nachts stand plötzlich ein Mazedonier vor mir!


Tagesheilige: 3. August: Die heilige Lydia von Philippi

Die Verbreitung des Christentums in Europa begann mit einer Vision, die der Apostel Paulus in Troas, im nordwestlichen Teil Kleinasiens, hatte: Im sechzehnten Kapitel der Apostelgeschichte wird berichtet, dass eines Nachts plötzlich ein Mazedonier vor ihm stand und bat: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ 

Und Paulus erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Mazedonien, der stand und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!

Zusammen mit seinem Schüler Silas brach er sofort auf und machte Station in der mazedonischen Stadt Philippi, nahe dem heutigen Kavala in Nordgriechenland. Paulus berichtet: „Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten. Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte. Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr überzeugt seid, dass ich fest an den Herrn glaube, kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie drängte uns.“ 

Dies ist die erste Taufe auf europäischen Boden, von der das Neue Testament berichtet; Lydia ist daher die erste namentlich bekannte Christin Europas. Sie wurde schon seit frühester Zeit als Heilige verehrt. Die katholische Kirche feiert ihren Gedenktag am 3. August.

Anders als bei anderen frühchristlichen Frauengestalten – etwa der heiligen Maria Magdalena – gibt es um Lydia herum keine Legendenbildung, und auch im Neuen Testament wird sie nur noch einmal erwähnt, am Ende desselben Kapitels der Apostelgeschichte, wo es nach dem Bericht von einem vorübergehenden Gefängnisaufenthalt von Paulus und Silas heißt: „Vom Gefängnis aus gingen die beiden zu Lydia. Dort fanden sie die Brüder, sprachen ihnen Mut zu und zogen dann weiter.“ Im Brief an die Philipper, den Paulus später verfasste, wird Lydia, die bei der Gründung der dortigen Gemeinde eine so zentrale Rolle spielte, nicht wieder erwähnt. Möglich ist, dass sie sich als Händlerin nur kurzfristig in Philippi aufgehalten hat.

Lydias Name bezeichnet einfach nur ihre Herkunft: Ihre Heimatstadt Thyatira lag in der Landschaft Lydien, sie war also „eine Lyderin“. Aus der Tatsache, dass Paulus von „ihrem Haus“ spricht, lässt sich schließen, dass Lydia nicht verheiratet war. Ob sie verwitwet war – wie in der älteren Forschung oft vermutet wurde – oder eine unabhängige Geschäftsfrau – wie in neueren exegetischen Untersuchungen gerne gemutmaßt wird –, wissen wir nicht.

Echter Purpur der besten Qualität wurde aus der Purpurschnecke gewonnen. Dies war ein kaiserliches Privileg. Dass Lydia dem kaiserlichen Haushalt angehörte, ist jedoch unwahrscheinlich, denn Thyatira war in der Antike als Gewinnungsort von minderwertigerem Purpur bekannt, und so ist es wahrscheinlicher, dass Lydia mit Purpurstoffen handelte, die nicht für die kaiserliche Familie bestimmt waren.

Paulus bezeichnet Lydia als eine „Gottesfürchtige“. Dies waren Menschen, die nicht jüdischer Herkunft waren, aber Interesse am monotheistischen jüdischen Glauben hatten, die Synagogen besuchten und der jüdischen Gemeinde nahestanden, oft auch den Sabbat und die Speisegebote einhielten. Lydia war also offen für die Botschaft des Paulus und nahm das Evangelium an. Ihr Haus wurde dann zum dem Ort in Philippi, in dem die ersten Christen der Stadt sich versammelten.

Während Lydia in der westlichen Überlieferung zu einer Randfigur des Neuen Testaments wurde, wurde ihr in der orthodoxen Kirche große Verehrung zuteil. Hier erhielt sie sogar den Ehrentitel „apostelgleich“. Es gibt von ihr zahlreiche Ikonen, und in Philippi befindet sich eine ihr gewidmete Basilika und ein Baptisterium, das an der Stelle erbaut wurde, wo der Überlieferung nach die Taufe der ersten Christin Europas stattgefunden hat.

Nachdem sich aber der Tumult gelegt hatte, rief Paulus die Jünger zu sich, und als er Abschied von ihnen genommen hatte, zog er fort, um nach Mazedonien zu reisen. Und nachdem er jene Gebiete (=Makedonien) durchzogen und sie mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland. Und er brachte dort drei Monate zu; und da ihm die Juden nachstellten, als er nach Syrien abfahren wollte, entschloß er sich, über Mazedonien zurückzukehren.


QUELLE: Die Tagespost

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