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Hände weg von Mazedonien

Ein Interview aus dem Jahr 2001. Wenn man die Zeilen liest könnte man denken es wurde erste gestern verfasst...unter dem Bild könnt Ihr das Interview lesen:


Für den Osteuropaexperten Wolf Oschlies ist Mazedonien ein Musterbeispiel für das intakte Zusammenleben verschiedener Kulturen. Die internationale Gemeinschaft täusche sich, wenn sie meine, in dem Balkanstaat für die Rechte der albanischen Minderheit eintreten zu müssen. Es gebe kein Recht, das die Albaner nicht hätten, sagt Oschlies, der am Deutschen Institut für Internationale Politik über den westlichen Balkan forscht. Die UCK-Rebellen bezeichnet der Ortskundige als „Gangster“ und Killerbanden“.

Herr Oschlies, in Mazedonien soll Albanisch praktisch zweite Amtssprache werden. Befürchten Sie eine Spaltung des Landes?

Ja. In Makedonien gibt es bekanntlich 22,7 Prozent Albaner. Die Verfassung des Landes regelt ganz genau, wie viel Raum die albanische Sprache hat. Wenn man heute überall dort Albanisch zur zweiten Amtssprache macht, wo die Albaner mehr als 20 Prozent der Bevölkerung stellen, dann ist das viel weniger als die Verfassung bereits zulässt. In der lokalen Selbstverwaltung darf die albanische Sprache in den Mehrheitsgebieten praktisch unbegrenzt verwendet werden. Es gibt kein Recht, das die Albaner nicht haben.

Wenn die Mazedonier eine solch vorbildliche Minderheitenpolitik betreiben, wie erklären Sie sich dann das starke Engagement des Westens in der Region?

Engagieren ist ein positiver Begriff. Dabei ist die ganze Präsenz der internationalen Gemeinschaft in Makedonien alles andere als positiv. Dort wird ein Land fahrlässig in einen Bürgerkrieg hineingepresst. Die ganzen Vorleistungen, die Makedonien im Inneren gebracht hat - eine exemplarische Minderheitenpolitik, eine fast schon bis zur Selbstaufgabe betriebene Kooperation mit der Nato nach 1998 - gelten nichts. Heute toben aus dem Kosovo importierte Gangster im Land. Die konnten nur groß werden aufgrund der Fehler der internationalen Gemeinschaft.

Sie meinen, der Westen hat die Krisensituation in Mazedonien heraufbeschworen?

Die ausschließliche Schuld der internationalen Gemeinschaft hat das Land in seine so bedrängte Lage geführt. Carl Bildt, der UN-Sonderbeauftragte für den Balkan, schreibt in seinem offenen Brief Ende Juli unter anderem, dass die stümperhafte Nato-Mission im Kosovo wie eine Blutzufuhr für den aggressiven albanischen Nationalismus gewirkt habe, der jetzt in Makedonien neue Fronten eröffnet.

Der Westen ist dabei, seinen Fehler wieder gut zu machen. . .

Allerdings in totaler Verkennung derer, die da für Unruhe sorgen. Der Westen verkennt zwar nicht den terroristischen Charakter dieses Treibens, aber man hält ihn fälschlicherweise für fehl geleitete Aktionen fehl geleiteter Albaner aus Makedonien. Es handelt sich hier schlichtweg um Killerbanden, die sich ein humanitäres Mäntelchen umhängen, vorgeben, für verweigerte Rechte zu kämpfen aber niemals sagen, welche Rechte denn bitteschön den Albanern in Makedonien verweigert werden.

Sie werfen der internationalen Gemeinschaft vor, zu wenig über die Verhältnisse in Mazedonien zu wissen. Wie erklären Sie sich diese Blauäugigkeit?

Die Makedonische Verfassung ist im Internet in englischer Sprache nachlesbar. Es gibt fantastische Studien über die Minderheitenpolitik im Land. Vor kurzem hat der international sehr angesehene Ex-Präsident Makedoniens, Kiro Gligorov, vor der OSZE in Wien gesprochen, wo er das ganze Treiben der UCK-Rebellen als Terror gegen die Bevölkerungsmehrheit bezeichnete.

Genügend Anhaltspunkte also?

Ich kann es mir nur so erklären: Seit zehn Jahren behaupten die radikalen Albanerführer, allen voran Arben Xhaferi, der Vorsitzende der Demokratischen Partei der Albaner, man würde numerisch unter Wert behandelt, ergo politisch diskriminiert. In Makedonien läge der Albaneranteil bei über 40 Prozent. Was man brauche, sei die Hälfte des Staates. Das Ganze riecht doch sehr nach einer fern gesteuerten Aktion der kriminellen UCK im Kosovo, die versucht, die Republik Makedonien ihrem Wirkungsbereich einzuverleiben.

Sie fordern, man solle Mazedonien den Mazedoniern überlassen. Was versprechen Sie sich von einer solchen Taktik?

Der beste Weg wäre, die Situation, die vor 2001 bestand, wieder herzustellen. Das Land war damals die sprichwörtliche Oase des Friedens. Jetzt gibt es keinen „best case“ mehr, sondern einen gerade noch tolerablen Fall. Der würde bedeuten: Krieg; einen kurzen, energischen Krieg der makedonischen Armee.

Und Sie meinen, die Bevölkerung könnte auseinanderhalten, dass Mazedonien zwar Krieg gegen die Rebellen nicht aber gegen die albanische Minderheit führt?

Selbstverständlich. Der ganze Westen Makedoniens ist praktisch albanisches Mehrheitsgebiet. Und da ist es ruhig.

Offensichtlich halten Sie nicht viel von der Strategie der Nato: erst Frieden, dann Entwaffnung der Rebellen?

Das ist noch milde gesagt. Noch nie in der Geschichte hat ein Terrorist seine Waffe freiwillig abgegeben. Sollte er das tun, so sagte der ehemalige CDU-Verteidigungsminister Rühe, könnten diese viel preisgünstiger vom Roten Kreuz eingesammelt werden. Dafür braucht man keine 3000 Nato-Soldaten. Die Amerikaner haben schon vor Wochen gesagt, dass sie an einer etwaigen Mission zur Einsammlung von Waffen nicht teilnehmen werden. Das war das einzig Vernünftige, was im Umkreis dieser ganzen Planung laut wurde.

Ihre Hoffnungen ruhen auf den USA?

Mit Sicherheit nicht. Meine Hoffnung ist keine Hoffnung, sondern Gewissheit. Was zur Zeit in Makedonien passiert, ist der Sturm vor der Ruhe. Die Terroristen, die für ein Groß-Kosovo kämpfen, deren Zeit ist abgelaufen. Sie blasen zum letzten Gefecht aus einer gewissen Hysterie. Das Ganze kann keinen Bestand haben.

QUELLE> FAZ 08.08.2001

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