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Petros Karatsareas: Das makedonisch-slawische Erbe Griechenlands durch sprachliche Unterdrückung ausgelöscht


Wenn Sie jemals auf einer traditionellen griechischen Feier gewesen sind, haben Sie Leute gesehen, die sich an den Händen halten und im Kreis tanzen, wobei sie die gleichen Schritte verfolgen, begleitet von Live-Musik. Sie werden auch Lieder gehört haben, die auf Griechisch gesungen wurden, da die meisten traditionellen Melodien mit Texten über Liebe, Auswanderung und Landleben einhergehen.

In den nördlichsten Teilen der griechischen Regionen West- und Zentralmakedoniens sind jedoch alle Volkstänze Instrumentalstücke. Die Texte wurden durch laute, Blech- und Holzblasinstrumente wie Kornett, Posaune und Klarinette ersetzt. Dies ist kein besonderer Aspekt des lokalen musikalischen Erbes. Traditionelle Melodien in diesen Regionen hatten ihre eigenen Worte - aber sie waren in einer Sprache, die der griechische Staat seit fast einem Jahrhundert auszulöschen versucht: mazedonisch-slawisch.

Nach dem Sieg aus zwei Balkankriegen in den Jahren 1912 und 1913 erweiterte sich das Territorium und die Bevölkerung Griechenlands dramatisch durch den Löwenanteil der historischen geographischen Region Mazedoniens, die auf der südlichen Seite des Berges Voras (Kaimaktschalan)/Nidže und Belles/Belasica liegt.

Wie es oft in der Geschichte der Fall ist, fallen die Staatsgrenzen nicht mit den Sprachen zusammen. Die so genannten "Neuen Länder" waren ein vielfältiges Mosaik verschiedener Sprachgruppen, darunter 260.000 Menschen, die eine südslawische Sprache sprachen, die sie Tukasni "lokale", nashta "unser" oder makedonski "mazedonisch" nannten.

Diese Varietäten, einschließlich der standardisierten Version, die heute die offizielle Sprache der Republik Mazedonien ist, haben Ähnlichkeiten mit Bulgarisch - und viele Menschen in Bulgarien betrachten sie als bulgarische Dialekte. Aber die Soziolinguistik hat gezeigt, dass das, was als eigenständige Sprache gilt und was man als Dialekt einer Sprache betrachtet, im Wesentlichen von politischen statt von linguistischen Kriterien bestimmt wird.

Von einer unsichtbaren Sprache ...

Für die griechische Regierung war es mit ihrer nationalen Ideologie nicht vereinbar, dass es Menschen gibt, die das slawische Makedonisch auf ihrem Territorium sprechen. Anzeichen für Unbehagen gegenüber der neuen mehrsprachigen Realität Griechenlands zeigten sich schon sehr früh. 1920 führte die griechische Statistikbehörde die erste Volkszählung nach der neuen territorialen Ausdehnung des Landes durch. Es wurde eine Sprachfrage gestellt, aber die Daten für das nun griechische Süd-Mazedonien wurden nie veröffentlicht. 

Die Sprachdaten für die thessalische Region enthalten jedoch Sprecher des mazedonischen Slawisch, die wahrscheinlich von Saisonarbeitern aus Mazedonien stammen, die zum Zeitpunkt der Volkszählung in Thessalien waren. Die griechischen Behörden erkannten die Präsenz des mazedonischen Slawisch als legitime Sprache an, unternahmen jedoch einen bewussten Versuch, die Anzahl der Menschen, die diese Sprache sprachen, zu verbergen.

Im Norden des Landes starteten die Behörden eine massive Hellenisierungsmission. Über Nacht wurden makedonisch-slawische Namen von Menschen, Orten und Tänzen von öffentlichen Bediensteten ins Griechische übersetzt.

Der Familienname meines Vaters väterlicherseits wurde aus Karatschorov in Karatsareas umbenannt. Mein Großvater mütterlicherseits wurde Kantzouris aus ursprünglich Kanzurov. Das Gebiet von Karadzova wurde in Almopia umbenannt, wobei die Hauptstadt Subotsko zu Aridaia wurde. Der Tanz Puscheno hieß ab dann Leventikos oder Lytos. Ziel war es, in den öffentlichen Aufzeichnungen keine Spuren von mazedonischen Slawen zu hinterlassen.

... zu einer Verbotenen Sprache!

In den 1930er Jahren und in einem Klima konkurrierender Nationalismen auf dem südlichen Balkan begannen die Ähnlichkeiten zwischen dem in Nordgriechenland gesprochenen mazedonisch-slawisch und den offiziellen Sprachen der damaligen Sozialistischen Republik Mazedonien und der Volksrepublik Bulgarien - auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs - den griechischen Behörden Verdacht über die nationale Zugehörigkeit und das "Bewusstsein" der mazedonisch-slawisch Sprecher aufkommen.

Im August 1931 rief der griechische Journalist und spätere Politiker Periklis Iliadis in seiner Zeitungskolumne ein Verbot auf, "auf Bulgarisch" zu grüßen und Lieder in anderen Sprachen als Griechisch zu singen - zwei Vorschläge, die das faschistische Regime von Ioannis Metaxas prompt annahm.

Im Jahre 1936 erließ der Generalgouverneur Mazedoniens die Verbotsverordnung 122770: 
"Über die Wiederherstellung der einheitlichen Sprache", die den Gebrauch des mazedonischen Slawisch sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich verbot. 


Menschen, die dabei erwischt wurden, wie sie mazedonisch-slawisch sprachen - manchmal durch Polizeibeamte, die durch die Fenster der Leute lauschten - wurden auf Militärpolizeistationen gezerrt, wo sie geschlagen und manchmal gefoltert wurden. 

Diejenigen, die Geld hatten, wurden bestraft. Lehrer schlugen Schüler, die makedonisch-slawisch im Unterricht oder auf dem Spielplatz sprachen - auch wenn das die einzige Sprache war, die sie sprechen konnten. Dies passierte meiner Großmutter mütterlicherseits.

Ein verstummtes Erbe

Im Jahr 1994 forderte Human Rights Watch, dass Griechenland die Unterdrückung der slawisch Sprechern aus der Region Makedonien beenden solle. Im Jahr 1998 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Griechenland das Recht seiner Bürger verletzt hat, Vereinigungen zu gründen, indem es ihnen die Erlaubnis verweigerte, einen makedonisch-slawischen Kulturverein zu gründen. Aber diese Aufrufe kamen viel zu spät.

Angesichts der aggressiven und gewalttätigen Unterdrückung, die sie in den 1930er Jahren erlitten hatten, entwickelten die slawisch Sprecher der Mazedonier eine tief verwurzelte Angst davor, ihre Sprache vor Menschen zu sprechen, die sie nicht kannten und denen sie nicht vertrauten. Sie hörten auf, ihre Lieder zu singen und spielten nur noch die traditionellen Melodien ihres musikalischen Erbes. Mit der Zeit begannen sie, Griechisch mehr zu verwenden, um sich selbst und die Orte zu nennen, in denen sie geboren wurden und lebten.

Heute sprechen fast nur noch ältere Menschen diese Sprache. Für jüngere Leute ist es eher ein passives Wissen - eine Art Erbe, das mit der älteren Generation aussterben wird und das einzige, was sie daran erinnern wird, ist eine Handvoll Worte und Melodien, zu den die jungen Musiker die Worte nicht kennen.


QUELLE: Greece’s Macedonian Slavic heritage was wiped out by linguistic oppression – here’s how von Petros Karatsareas - übersetzt von Makedonien.mk

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