Phillip II von Makedonien - Erster auswärtiger Führer eines griechischen Bundes


In der Inaugural-Dissertation "Studien zu Krieg und Machtbildung im Frühhellenismus" (Justus-Liebig-Universität, Gießen) finden wir einen wichtigen Hinweis auf die stetige Frage, ob die antiken Makedonier laut der griechischen Propaganda tatsächlich Griechen gewesen sind. In dem Abschnitt "5.2.4 ”Personalunion”" lesen wir über den Vater von Alexander den Großen, Phillip III von Makedonien, folgenden Passus:

... Das Gebiet, dem die Argeadenkönige 894 schon vor Philipp ein besonderes Interesse gezollt hatten, war Thessalien 895, das Brückenland zwischen dem Hellas der großen Poleis und Makedonien. Die Herrschaft über Thessalien bedeutete Absicherung nach Süden und war zugleich eine Offensivposition, ein Ausfallstor gegen Theben oder Athen, die beide in Makedonien als Interventionsmächte aufgetreten waren 896. Aber Thessalien hatte mehr zu bieten als nur seine strategische Lage, sondern Thessalien verfügte über eine schlagkräftige Kavallerie, aber auch über hohe Einkünfte 897.
Als es in Thessalien zwischen den Tyrannen von Pherai und den in Larissa herrschenden Aleuaden zu Auseinandersetzungen kommt, werden sowohl die Phoker unter Onomarchos als auch Philipp um Intervention gebeten. Damit gerät Philipp in den 3. Heiligen Krieg. Als gewählter Feldherr des thessalischen Bundesaufgebots kann er die Phoker schließlich auf dem Krokosfeld besiegen (Diod. XVI,35,4f.; 37,3; 38,1; Justin VIII,2,1f.). Philipp versucht nun nicht, die Macht über Thessalien gewaltsam an sich zu reißen, sondern er läßt sich vom Thessalischen Bund zum Archon wählen (unter bewußter Vermeidung des diskreditierten Tagos-Titels 898). Später (wahrscheinlich 342) strukturiert Philipp den Thessalischen Bund nach diversen Schwierigkeiten völlig um durch die Einteilung des Landes in vier Tetrarchien 899; dafür garantiert er den thessalischen Städten ihre Freiheit, während die Dynastenfamilien ihre Vorrechte verlieren (Demosth. 6,22; 8,62; 9,26). Mit kurzen Unterbrechungen bleibt Thessalien so mit Makedonien verbunden bis zur Schlacht von Kynoskephalai (197 )
Diese Konstruktion, daß ein auswärtiger König Führer eines griechischen Bundes
wird, ist eine absolute Novität
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...Diese Konstruktion, daß ein auswärtiger König Führer eines griechischen Bundes wird, ist eine absolute Novität. ...

Studien zu Krieg und Machtbildung im Frühhellenismus, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie des Fachbereichs 04 der Justus-Liebig-Universität, Gießen vorgelegt von Frank-Gernot Schuffert, Bad Vilbel, Seite 175

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