Antike - Das Verhältnis von Makedonen und Griechen

Griechische Geschichte bis 336 v.Chr.
Ein erster Überblick bis zum Auftritt von Alexander dem Großen
Norbert Froese
Stand: 12.09.2015
Seite 24


Unter Historikern wurde und wird darüber gestritten, ob Makedonen eigentlich Griechen sind. In dieser Form halte ich die Frage nicht für sehr produktiv. Interessant ist aber die Frage, wie die Bewohner des griechischen Kernlandes die Makedonen wahrnehmen, und ob sich die Makedonen selbst als Griechen fühlen.

Die Makedonen sind aus Sicht der Kernland-Griechen höchstens so etwas wie Halbgriechen. Einerseits sind sie mit den Makedonen durch eine verwandte Sprache(23) verbunden, andererseits aber durch etliche Merkmale der Kultur und Tradition von ihnen getrennt. Nach den verfügbaren Zeugnissen fühlen sich auch umgekehrt die Makedonen als höchstens mit den Griechen verwandt, aber nicht als wirklich zu ihnen gehörig. 
Makedonen dürfen nur dann an den olympischen Spielen teilnehmen, wenn sie im Einzelfall als von griechischer Abstammung anerkannt sind. In Makedonien gibt es keine Polis Kultur, und der Wein wird unverdünnt getrunken. Letzteres gilt im griechischen Kernland als barbarisch. Wenn es um die Frage ging: Barbar oder Grieche, dann maßen die Griechen des Kernlandes solchen Punkten der Alltagskultur große Bedeutung zu.(24)

In den Augen der Kernland-Griechen waren die Makedonen also keine echten Griechen. Und die Makedonen selbst haben sich auch nicht als echte Griechen betrachtet. Jedoch gab es seitens der makedonischen Herrscher Bestrebungen, Makedonien näher an den griechischen Kulturkreis heranzuführen.
Schon ein Vorgänger von Philipp II., König Archelos, öffnet Makedonien für die griechische Kultur und beheimatet in der makedonischen Hauptstadt Pella eine Vielzahl griechischer Gelehrter und Künstler. Philipp II. knüpft entschieden an diese Tradition an. So bestimmt er auch Aristoteles als den Erzieher seines Sohnes Alexander (dem späteren Alexander den Großen). 

Der Aufstieg Makedoniens zur Großmacht wird im griechischen Kernland unterschiedlich bewertet. Für manche sind die Makedonen nur feindliche Barbaren, genauso wie die Perser. Also muss man sich, wie damals zur Zeit der Perserkriege, gegen sie zusammenschließen und versuchen, die Abwehr eines übermächtigen Gegners zu bewerkstelligen. Andere plädieren dafür, die Vormachtstellung Makedoniens zu akzeptieren und mit ihnen zusammen gegen die Perser zu ziehen. Die heute berühmtesten Vertreter dieser beiden Positionen waren der Makedonen-Feind Demosthenes(25) und der Makedonen-Freund Isokrates.

Fußnoten:
23)Wenn man ein bisschen großzügig (!!!!!!!!) ist, dann kann man Makedonisch als einen etwas fremdartigen griechischen Dialekt ansehen. 
24)Die makedonischen Symposien enden häufig in einem allgemeinen Besäufnis bis zum Umfallen. Das ist weit ab von dem durch Platon vermittelten Bilde eines griechischen Symposions. Platon schildert Symposien als gepflegte Kulturabende, bei denen, trotz der vielleicht anwesenden Hetären, das kultivierte und anspruchsvolle Gespräch gepflegt wird. Wein trinkt man selbstverständlich nur mit Wasser vermischt. Und auch wenn sich irgendwann dann doch die Wirkungen des Alkohols einstellen, so bleibt doch alles höchst zivilisiert. 
Das mag ein insgesamt etwas zu idealisiertes Bild sein, aber man kann wohl durchaus davon ausgehen, dass makedonische Symposien in der Tat alkohollastiger und rauher waren, als die Symposien im griechischen Kernland. Trinkfestigkeit gehörte einfach zum Bild des echten makedonischen Mannes. :D
25)Demosthenes ging bei seiner Feindschaft gegenüber den Makedonen sogar soweit, dass er eher erwog mit den Persern ein Bündnis gegen die Makedonen zu schließen, als dass er mit und unter den Makedonen gegen die Perser kämpfen wollte. 

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