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Makedonien wird Römische Provinz

Im Sommer des Jahres 168 v. Chr. kapitulierte Perseus, der letzte makedonische König vor der militärischen Schlagkraft der Römer.


Um sein Volk zu schonen, begab er sich selbst in Gefangenschaft. Doch es dauerte nicht lange, bis die Makedonen die alte Königsherrschaft wieder herbeisehnten.
Die Römer hatten gezögert, die direkte Verwaltung über das riesige und reiche Gebiet zu übernehmen. Damit hätten einzelne römische Adlige so viel Macht bekommen, dass das sorgfältig austarierte Gleichgewicht in der Heimat in Gefahr gewesen wäre. Stattdessen oktroyierte man den Besiegten eine republikanische Verfassung auf. 100 Talente, genau die Hälfte der bisherigen königlichen Steuern, mussten nun direkt in Rom abgeliefert werden. Doch schon bald ging die wirtschaftliche Aktivität des Landes derart zurück, dass es für die Makedonen schwer wurde, selbst diese Summe aufzubringen.

Die Römer hatten Makedonien nämlich in seine vier Bezirke aufgeteilt, die untereinander keine wirtschaftlichen (und auch sozialen) Beziehungen mehr aufnehmen durften. Die wichtigste Erwerbsquelle des Landes, die Gold- und Silberbergwerke mussten für zehn Jahre schließen. Die Einfuhr von Salz wurde verboten. Dies war nicht nur eine kulinarische Zumutung, sondern bedeutete auch, dass eine wichtige Möglichkeit, Nahrungsmittel haltbar zu machen, nicht mehr zur Verfügung stand. Natürlich durfte auch kein Schiffsholz mehr geschlagen werden, so dass die Makedonen keine Kriegsschiffe, aber auch keine Handelsschiffe mehr bauen konnten.

Erlaubt war es den Makedonen lediglich, Grenztruppen zu halten, um die für Griechenland so wichtige Funktion wahrzunehmen, Bollwerk gegen die anstürmenden nomadisierenden Stämme des Nordens zu sein. Aber waren diese Truppen früher mit den königlichen Einnahmen finanziert wurden, musste nun das wirtschaftlich schwache Land alle Kosten für Verteidigung und Infrastruktur zusätzlich selbst tragen.
Während sich die Römer mit dem makedonischen Königsschatz derart saniert hatten, dass sie in Italien fortan auf die direkte Besteuerung römischer Bürger weitgehend verzichteten, sank das einst wohlhabende Makedonien langsam, aber unaufhaltsam in die Armut ab.

Die Zeit war reif für einen Aufstand. Auslöser war ein Mann namens Andriskos. Viel ist es nicht, was wir über ihn wissen. Seine Feinde vermuteten, er sei ein Abenteurer aus Adramytteion in der Troas. Er selbst behauptete von sich, der Sohn von Perseus und Laodike zu sein, also der rechtmäßige Erbe der Königsherrschaft. Anscheinend hatte sich Andronikos zunächst an seinen Onkel Demetrios I. von Syrien um Hilfe gewandt, doch der lieferte ihn an die Römer aus. Wie es dem Andriskos gelang, aus der römischen Gefangenschaft zu entkommen, wissen wir nicht, jedenfalls wendete er sich danach an die Stämme im Norden. Mit einem thrakischen Heer eroberte er wichtige Teile von Makedonien und konnte sogar einen großen Sieg über ein kleines Heer der Römer gewinnen. Als aber der Senat Q. Caecilius Metellus mit einer Armee nach Makedonien schickte, hatte Andronikos keine Chance. 148 kam es zur entscheidenden Schlacht. Die Thraker wurden besiegt, Andriskos gefangen genommen, im Triumpf des Metellus mitgeschleppt, um danach umgebracht zu werden.

Was folgte war eine Militärregierung. Alles musste neu geordnet werden. Das bisherige System, und das erkannten die Römer anscheinend klar, war mit verantwortlich für die Bereitschaft der Makedonen, Andriskos zu unterstützen. Ihre Loyalität konnte nicht mit noch schwereren Strafen erzwungen werden. So tat die römische Verwaltung als sei die Andriskos-Affäre eine rein äußere Angelegenheit gewesen. Nicht die Unzufriedenheit im Land, sondern die bösen Nachbarn im Norden seien dafür verantwortlich. Aus den unabhängigen, sich selbst verwaltenden Bezirken wurde nun eine Provinz, in der ein römischer Statthalter die Grenzen sichern würde.

Solch eine einschneidende Maßnahme war in diesen Jahren nicht außergewöhnlich. Die Römer begannen, sich nun rund ums Mittelmeer direkt einzumischen. Sie vermuteten an vielen Orten (und das wohl aus guten Gründen) Widerstände gegen ihre Herrschaft. Ein Jahr später zerstörten sie Korinth, weil sich der Achäische Bund einer Teilauflösung widersetzt hatte. Im gleichen Jahr fiel Karthago aus genauso egoistischen Gründen.
Die Makedonen aber scheinen sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben. Rom bot wenigstens einen Schutz vor Thrakern und Kelten. Und so wurde Makedonien zu einer blühenden (römischen) Provinz. Makedonien verband den Westen mit dem Osten, Italien mit Kleinasien. Durch seine Überlandstraße wurde es zu einem Brennpunkt der Geschichte, in dem es immer wieder zu Ereignissen kam, die den Lauf der Weltgeschichte veränderten.

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