Gab es Slawen im siebten Jahrhundert in Mazedonien?



Mit dem Titel "Were there any Slavs in seventh-century Macedonia?" befasst sich Prof. Dr. Florin Curta etwas präziser mit der Frage, ob im siebten Jahrhundert in Mazedonien sich "Slawen" ansiedelten. Dabei bezieht sich Curta auf archäologische Funde auf dem Gebiet der Republik Mazedonien, als auch im Vergleich mit Funde in der Region.

Making of the Slavs


Über den Autor: Florin Curta ist ein rumänischstämmiger US-amerikanischer Historiker mit Schwerpunkt im Bereich der Geschichte des mittelalterlichen Osteuropa.

Curta studierte zunächst von 1984 bis 1988 Geschichte an der Universität Bukarest. 1990 bis 1993 war er als Archäologe am Institut für Archäologie in Bukarest tätig. Seit 1993 studierte er an der Western Michigan University, wo er 1998 promovierte. Seit 1999 lehrt er als Professor für mittelalterliche Geschichte und Archäologie an der Universität von Florida in Gainesville.

Curta ist Spezialist auf dem Gebiet der Geschichte des Balkans. Er hat mehrere wichtige Publikationen veröffentlicht, z.B. zu den spätantiken Slawen und der Geschichte Südosteuropas im Früh- und Hochmittelalter.

Auf unserer Plattform haben wir das mit dem Herbert Baxter Adams Ehrenpreis von der American Historical Association für das Jahr 2002 ausgezeichnete Werk von Curta, "Making of the Slavs" schon vorgestellt (siehe HIER). 
Zehn Jahre später erschien in der ersten Ausgabe des Jahres 2012 im Journal of History der Artikel, in welchem Curta der Frage nachgeht ob es im 7. Jahrhundert eine Ansiedlung der Slawen in Makedonien gab.

Kurz in Erinnerung gerufen: Die meist verbreitete Theorie in dieser Frage besagt, dass die Slawen im 6. und 7. Jahrhundert auf den Balkan bis weit in den Peloponnes in Griechenland eindrangen. Diese seien "von hinter den Karpaten" gekommen heißt es, aber der aktuellen Geschichtsschreibung nach, gibt es bis zu sechs Theorien die die Urheimat der Slawen betrifft. Bis heute herrscht also keine absolute Klarheit in dieser Frage.


In the Making of the Slavs, schlussfolgerte Curta schon im Vorwort: "Unsere heutige Kenntnis von der Herkunft der Slawen ist großenteils ein Erbe des 19. Jahrhunderts. Das wissenschaftliche Vorgehen war unentwirrbar mit der Verfälschung nationaler Identitäten verbunden".

"Es lohnt sich, die alte These der mazedonischen Geschichtsschreibung angesichts neuer Ansätze und Ideen neu zu betrachten..."


Und so startet auch die Einleitung zu "Were there any Slavs in seventh-century Macedonia?", Curta erklärt das die allgemeine Meinung seit den 1970ern davon ausgeht, dass ab dem Jahr 630 n.Chr. die Besiedelung durch "Slawen" auf dem Gebiet der heutigen Republik Mazedonien begann. 

Im Gebiet von Veles, Prilep, Bitola, Kichevo, Debar, Ohrid und Prespa soll sich der slawische Stamm der "Berziten" (Berziti, Brsjaci) angesiedelt haben. Der Stamm wurde in dem Werk "Wunder des heiligen Demetrios" erwähnt. Welches aufgrund der Quellenarmut dieser Zeit ein einzigartiges historisches Zeugnis zur Geschichte der Stadt Thessaloniki und über die frühen slawischen Stämme auf dem Balkan ist.



Dieses historische Szenario sei "allgemein anerkannt", sogar in der Republik Mazedonien, erklärt Curta, obwohl es neue Funde gäbe welche die Thesen, die bisher aus den "Wunder des heiligen Demetrios" gezogen wurden direkt angreifen. 

Deshalb lohne sich laut Curta, diese alte These in der mazedonischen Geschichtsschreibung angesichts dieser neuen Ansätze und Ideen von neuem zu betrachten.


"Urteilend auf Grundlage der archäologischen Funde, siedelten im siebten Jahrhundert in Mazedonien keine Slawen"


In der Folge vertieft sich Curta von der University of Florida in historische Angaben und bezieht sich speziell auf archäologische Funde, die Ihr detailliert im verlinkten PDF Dokument nachlesen könnt (Link am Ende des Artikels).

Unter anderem bemängelt Curta frühere Ausgrabungen und vermutet falsche Deutungen. So spricht er konkret Funde in Mazedonien an, die im Jahr 1966 bei Debreshte (Prilep) gemacht wurden, aber laut Curta "hastig" und damit falsch datiert wurden.

Danach folgen noch weitere Erläuterungen zu Funde in Mazedonien und ähnliche Funde in der Region, die laut Curta zeigen das in Mazedonien oft falsch und zu früh in falsche Epochen datiert wurden.

Zum Schluss kommt Curta ganz trocken zum folgenden Fazit: "Urteilend auf Grundlage der archäologischen Funde, siedelten im siebten Jahrhundert in Mazedonien keine Slawen."


QUELLE - PDFWere there any Slavs in seventh-century Macedonia? via Academia.edu
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